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Geschichte
des Theravada-Buddhismus
Buddhas Leben
Der historische Begründer des Buddhismus heisst Siddharta Gautama
und er bekam erst in der Nacht der Erleuchtung den allgemein bekannten
Ehrentitel "Buddha" (= der Erleuchtete). Er wurde um 563 v. Chr
in Lumbini, dem heutigen Rummindei, geboren.
Der Sage nach hatte sich Buddha vor seiner Geburt lange im Thusitha-Himmel,
dem Götterhimmel aufgehalten und stieg dann daraus hinab. Im Moment
der Empfängnis erleuchtete ein Lichtschein die Welt und die fromme
Maya hielt sich von da an noch mehr als schon zuvor vom Unrecht
fern. Die Schwangerschaft verlief ohne Probleme und nach 10 (!)
Monaten gebar sie ihren Sohn stehend und, weil beide so rein waren,
nicht besudelt durch Blut oder sonstige Körperflüssigkeiten.
Siddharta machte als erstes sieben Schritte in jede Himmelsrichtung
und symbolisierte somit seine geistige Weltherrschaft. Nach sieben
Tagen starb Maya und ihre Schwester wurde seine Ziehmutter.
Siddharta verbrachte eine unbeschwerte Jugend und mit 16 Jahren
wurde er verheiratet, was für die damalige Zeit durchaus normal
war. Seine Frau gebahr ihm einen Sohn namens Rahula.
Als Siddharta 29 Jahre alt war, resultierte aus seiner längeren
religiösen Suche die Hauslosigkeit. Er verliess seine Frau und
seinen kleinen Sohn und unter einem Jambu-Baum auf einem Acker
wurde ihm in seiner ersten Meditation klar, dass die ideale Lebensform
auf dem Weg zur Erlösung das Leben eines Bettelmönches sein würde.
Während den sechs Jahren, in denen er nach einem Lehrer suchte,
erlernte er die (Yoga-) Meditation und die extreme Askese und
ging anschliessend nach Uruvela an den Fluss Nairajana bei Bodh
Gaya. Dort fand er unter einem Feigenbaum (Bodhi-Baum) seine Erleuchtung
und wurde erst hier zu "Buddha".
Buddha hatte damit die Ruhe für sich gefunden und erst auf intensives
Drängen von anderen entwickelte er seine Lehre während einer Meditation.
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Nach seiner Erleuchtung zog Buddha weiter in die Ganges-Ebene
und hielt bei Benares die erste Predigt. Hier kam das "Rad der
Lehre" in Bewegung, seine 45 Jahre andauernde Lehrtätigkeit, die
ihre Blüte im Ganges-Becken hatte, begann. In dieser Zeit bekam
er viele Anhänger und der Mönch Ananda wurde sein persönlicher
Diener, der nur unter der Bedingung beigetreten war, immer und
überall über die Lehren Buddhas informiert zu werden.
Als es seinem Ende zuging, hielt Buddha sich gerade ausserhalb
von Kushinagara auf. Er nahm Abschied von seinen Jüngern, entblösste
seinen Körper (Vergänglichkeit alles Irdischen) und hinterliess
eine letzte Mahnung zur Vervollkommnung und zur Bewahrung des
Dhamma. Als er daraufhin starb, wurde er verbrannt und seine Überreste
in einem Grabhügel (einem Stupa) beigesetzt, der bis heute eine
archäologische und religiöse Stätte ist.
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Entwicklung des Buddhismus nach Buddhas Tod
Buddha hatte nur seine Lehre hinterlassen und das führte bald
zu Unstimmigkeiten, denn die Autorität von Ananda in Lehrfragen
war sehr umstritten. Damit man sich in wichtigen, aber oft komplizierten
Fragen verständigen konnte, wurden gelegentlich Konzilien einberufen,
bis heute sind es sechs. Drei davon fanden in den ersten Jahrhunderten
nach Buddhas Tod statt, das erste bereits vier Monate danach in
Rajagaha. Man sammelte die Lehrreden(Dhamma) und Ordensregeln
(Vinaya) des Buddha und legte die Grundlage für den Pali-Kanon.
Das zweite Konzil wurde rund 100 Jahre später nach Vaishali einberufen.
Vor allem die Regeln der Mönchsgemeinschaft wurden dort diskutiert,
da es schon zur Bildung verschiedener Gruppierungen mit unterschiedlichen
Auslegungen der ursprünglichen Regeln gekommen war. Es wurde viel
gestritten, aber schlussendlich einigte sich die Versammlung im
Sinn der alten Tradition. Die Orthodoxen, auf die alte Lehre bestehenden
Mönche nannten sich damals das erste Mal "Theravadins" (später
Hinayana). Ihre Gegner aber nannten sich "Mahasanghikas" (später
Mahayana), Vertreter der grossen Gemeinde. Sie nahmen die Beschlüsse
der Versammlung nicht an.
Das dritte Konzil trat erst 253 v. Chr. unter der Schirmherrschaft
des König Ashoka und dem Vorsitz des Mönchs Moggaliputta Tissa
in Pataliputra (Patna) in der Gangesebene zusammen mit dem Ziel,
sich wieder auf eine einheitliche buddhistische Lehre zu einigen.
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Wie oben schon erwähnt, tagte dieses dritte Konzil während der
Herrschaft des indischen Kaisers Ashoka, der sich zum Buddhismus
bekehrt hatte. Er führte anfangs viele Kriege, merkte aber schnell,
dass sich das nicht mit den Grundregeln des Buddhismus vereinbaren
liess. Er gestand in grossen Edikten, die auf Felsen eingeschrieben
wurden, öffentlich seine Schuld ein und forderte alle auf, friedfertig
zu leben.
Buddha, die ersten Konzilien und auch die Entwicklung der Lehre
liessen den Buddhismus immer weiter über den indischen Subkontinent
wachsen. Indien blieb dabei zwar immer der geografische Bezugspunkt,
aber die einzelnen Länder und Gebiete wurden auch "eigenständig
geprägt". Bereits in der 2. Hälfte des 3. Jh. V. Chr. öffnete
sich der Weg über Sri Lanka nach Südostasien in die heutigen Theravada-Länder,
auf die sich unsere Arbeit konzentriert. Dieser "südliche Buddhismus"
ist heute in Sri Lanka, Burma, Thailand, Kambodscha und Laos verbreitet.
Hier wird nur von Sri Lanka berichtet, da die Mönche des buddhistischen
Zentrums in Brugg von dort kommen.
Zur Zeit des Herrschers Devanampiyatissa begann der Mönch Mahinda,
den man in der buddhistischen Tradition als Sohn Ashokas annimmt,
die Missionierung der Insel, indem er dort das erste Mönchskloster
aufbauen liess. Weiter wurde schon Ende des 1. Jh. v. Chr. im
Kloster von Alu Vihara die Überlieferungen in Form eines Kanons
sowohl in mittelindischer Pali- als auch Kommentare in singhalesischer
Volkssprache niedergeschrieben, damit der Dhamma immer erhalten
bleiben würde. Dieser Pali-Kanon, der z. T. noch heute handschriftlich
kopiert wird, hat für den Theravada-Buddhismus eine sehr grosse
Bedeutung. Wichtig für Sri Lanka als Zentrum des Theravada-Buddhismus
ist auch der Mönch.
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Buddhagosa, der sich im frühen 5. Jh. in Anuradhapura niederliess.
Er führte für die Kommentare des Pali-Kanons Pali anstatt Singhalesisch
ein und machte dadurch Pali zur Sakralsprache, wie das in der
christlichen Kirche das Latein war, was eine erleichterte Kommunikation
auch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg ermöglichte. Ausserdem
schrieb er ein Werk: Visuddhimagga, der "Weg zur Reinheit". Es
kann als Kurzfassung und Vereinfachung der ganzen Theravada-Lehre
betrachtet werden und stellt auch einen "Leitfaden zur Meditation"
dar, wodurch Buddhagosa "der Systematiker des Theravada schlechthin"
wurde. Im Gegensatz zum Mayahana- bleibt der Theravada-Buddhismus
durch diese Vereinheitlichung der Sprache ziemlich homogen bestehen,
was auch damit zusammenhängt, dass immer wieder Mönche aus anderen
Theravada-Ländern herbeigeholt wurden, um den Orden zu sanieren.
In der zweiten Hälfte des 1. Jt. n. Chr. kamen dann mahayana-geprägte
Weisheitsschulen und Anhänger des buddhistischen Tantras nach
Sri Lanka, seit dem 8. Jh. sind auch hinduistische Einflüsse festzustellen.
Zu Beginn des 13. Jh griff der südindische Herrscher Magha Sri
Lanka an und neben der Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen
traf es auch den Buddhismus hart. König Parakramanabahu II. (1236-1270)
erreichte daraufhin durch seine erneute Renaissance nur zum Teil
die "Blüte von früher". Ein Rückgang des Mönchtums war die Folge,
auch gab es weltliche Mönche, die z. T. sogar Frauen und Kinder
hatten! Der Theravada-Buddhismus erlebte einen weiteren Rückgang
mit der europäischen Kolonialherrschaft zunächst durch Portugiesen
und Holländer (16. -17. Jh.) und schliesslich durch die Engländer
(1798-1948). Seit der Mitte des 18. Jh. führten die schlechten
Zustände und Entwicklungen zu ersten Reformen mit Hilfe von Mönchen
aus Burma und Siam. Besonders wichtig ist auch Anagarika Dhammapala
(1864-1933), der die "Maha-Bodhi-Society zur Wiedererstarkung
des Buddhismus" unterstützte. Heute sind rund 70% der Bevölkerung
auf Sri Lanka Buddhisten, das sind ca. 13 Millionen.
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Die Lehre des Buddha
Die vier edlen Wahrheiten (Sacca)
Im Zentrum von Buddhas Denken steht das Leiden aller Wesen. Als
Kern seiner Lehre hat er in seiner ersten Predigt, mit der er
das Rad der Lehre in Bewegung setzte, diese vier grundlegenden
Sätze, die "vier edlen Wahrheiten vom Leid", formuliert. Die Wahrheit
vom universalen Leiden (Dukkha Sacca)"Alles Dasein, bzw. Leben
ist Leid (Dukkha)." Das schliesst nicht aus, dass der Mensch auch
glückliche Momente erlebt, aber dieses, für uns zu erreichende
Glück ist nie von Dauer.
Entstehung des Leidens (Samudhava Sacca)
Das Leiden entspringt aus dem Lebensdurst, also beispielsweise
aus Gier oder Hass. Durch diesen Lebensdurst wird der ewige Kreislauf
von Werden und Vergehen (Samsara) begründet.
Aufhebung des Leidens (Nirodha Sacca)
Das Leiden kann nun auch beseitigt und beendet werden. Diese dritte
edle Wahrheit ist die "Erlösungsbotschaft des Buddhismus"und um
diese Erlösung zu erlangen, muss der Lebensdurst, die Quelle des
Leidens, vernichtet werden. Des Weiteren muss die Unwissenheit
besiegt werden, damit die Leidhaftigkeit des ganzen Daseins erkannt
werden kann. Dann ist ein neuer Eintritt in den unheilvollen Kreislauf
des Lebens (Samsara) nicht mehr möglich. Dieser Zustand wird Nirwana
genannt.
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Der Weg zur Aufhebung des Leidens (Marga Sacca)
Um das Leiden zu beseitigen und ins Nirwana eintreten zu können,
muss der sogenannte achtteilige Pfad (siehe 3.2) begangen werden,
ein Mittelweg zwischen "gieriger Lust und asketischer Härte".
Der achtteilige Pfad
Die Weisungen des achtteiligen Pfades sollten nicht so sehr als
Gebote verstanden werden, denn bei Nicht-Einhaltung folgt keine
Strafe, sondern eher als Ausweg aus dem ewigen Kreislauf der Geburten,
dem Samsara. Die acht Regeln sind nicht nacheinander zu befolgen,
sondern eher miteinander. Es sind alle von grosser Bedeutung,
darum darf man keine vernachlässigen.
Rechte Ansicht (Samma Ditthi)
Das ist die "Erkenntnis und Anerkennung der vier edlen Wahrheiten
und die Einsicht, dass das "Ich" keine eigene Substanz ist" (siehe
3.3.1) und dass es im Leben kein ewiges und, dauerhaftes Glück
gibt. Das bedeutet, dass man versuchen soll, alles zu sehen, was
um einen herum ist, und nicht nur das, was man sehen will.
Rechtes Wollen (Samma Sankappa)
Hier wird die Einsicht verwirklicht, indem man die Befreiung von
Begierde und Hass erreichen möchte, "gute Gedanken fördert und
schlechte vermeidet".
Rechte Rede (Samma Vacca)
Im Grunde genommen gibt es vier Arten von falscher Rede: "Lügen,
Verleumdung, Schimpfen, unnützes Gerede und Klatsch". Diese sind
zu vermeiden, da sie Unheil auf die Welt bringen.
Rechtes Handeln (Samma Kammanta)
Schlechte Taten wie Töten, Stehlen, sexuelle Ausschweifungen und
Einnahme von Rauschmitteln sollen vermieden und gute Taten vollbracht
werden. Wenn ein Mönch gegen eines dieser Verbote handelt, dann
kann er aus dem Orden entlassen werden.
Rechtes Leben (Samma Ajiva)
Es soll ein Beruf ausgeübt werden, der moralisch und ethisch ist,
anderen keine Nachteile verschafft und niemandem Leid zufügt.
So darf zum Beispiel kein Handel mit Waffen oder Lebewesen betrieben
werden. Ausserdem darf ein ein Buddhist nicht den Beruf des Schlächters,
Metzgers, Jägers, Fischers oder des Henkers ausüben.
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Rechte Anstrengung (Samma Sayama)
Mit der rechten Anstrengung werden die "Gemütsregungen, die der
Meditation entgegenstehen", also beispielsweise Langeweile oder
Lust, unterdrückt. Wer sich selbst kontrollieren kann und den
schönen und hässlichen Dingen gegenüber gleichmütig wird, der
kommt der Meditation näher.
Rechte Achtsamkeit (Samma Sati)
Die rechte Achtsamkeit ist auch rechte Bewusstheit und bedeutet,
dass man den ganzen Körper vom Scheitel bis zur Sohle mit all
seinen Einzelteilen und Eigenarten wahrnimmt. Man wird sich aller
menschlichen Funktionen wie Atmen, Gehen oder Ruhen bewusst und
kontrolliert sie mit Hilfe des Geistes.
Rechte Meditation (Samma Samadhi)
Das ist das Ziel des achtteiligen Pfades, denn erst mit der rechten
Meditation überwindet man das Leiden, erreicht die letzte Einsicht
und erlangt Freiheit. Die Meditation wird geübt und soll dann
im Alltag angewendet werden.
Im Ablauf der Meditation gibt es mehrere Stufen des Sich-Versenkens.
Angefangen wird mit einem Nachdenken, das frei von Gier und Lust
ist. In hohen Stufen der Meditation wird die Unendlichkeit des
Bewusstseins und die Nichtsheit aller Dinge erlebt. Der Zustand
der Tieftrance kann ganz am Ende erreicht werden, darin gibt es
weder Wahrnehmen, noch Nicht-Wahrnehmen. Diese achte Stufe gibt
dem Meditierenden einen Geschmack der Erlösung.
Kamma - Ursache und Wirkung
Kamma, aus dem Sanskrit hergeleitet, bedeutet wortwörtlich "Tat,
Wirken". Damit ist das "sinnliche Begehren und das Anhaften an
die Erscheinungen der Welt", wie zum Beispiel Gier, Hass oder
Ich-Sucht, gemeint. Das Fortwirken des Kammas, das gute und böse
Taten bewirkt, bestimmt das Schicksal des jeweiligen Menschen
im gegenwärtigen Leben und in zukünftigen Geburten. Sowohl gutes
als auch schlechtes Kamma erzeugt die Folge der Wiedergeburten,
das Samsara , es ist das verbindende Glied zwischen jetzigem und
früherem Leben. Es "entspricht dem Prinzip von Ursache und Wirkung".
Samsara - Das Rad des Lebens
Samsara heisst auf Pali "beständiges Wandern durch die Wiedergeburten".
Es ist die buddhistische Bezeichnung für den "ewigen und leidvollen"
Kreislauf der Wiedergeburt aller Wesen, der im "Lebensrad" sehr
gut veranschaulicht wird: Leben, Tod und Wiedergeburt - Werden
und Vergehen. Dieses Lebensrad ist eine Art Bilderbuch der Buddha-Lehre.
Das Lebensrad ist dem Betrachter wie ein Spiegel, in welchem er
sich selbst erkennen kann. Gleichzeitig ist es auch ein Appell,
sein Leben an der Lehre Buddhas auszurichten.
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Nirwana - "Verwehen"
Dem Gesetz der Abhängigkeit ist nicht alles unterworfen, es setzt
sich nicht alles aus Daseinsfaktoren zusammen und nicht alles
unterliegt dem ewigen Kreislauf der Geburten. Denn dann gäbe es
keine Erlösung und der ewige Werde- und Leidensprozess würde alles
an sich binden. Es gibt einen Bereich ohne Entstehen und Vergehen
und er wird von Buddha als Nirwana bezeichnet. "In ihm konzentriert
sich seine Vorstellung von Erlösung." Nirwana (Pali: Nibbana)
ist Sanskrit und heisst Erlöschen, Verwehen.
Das Nirwana wird ganz unterschiedlich beschrieben. Manche denken,
es ist das absolute Nichts und im Nirwana zu verlöschen bedeute,
wie eine Flamme zu verlöschen und wie ein Windhauch zu vergehen
und dabei auch keine Spuren zu hinterlassen. In diesem Nirwana
gibt es keine Realität, man ist kurz gesagt "vernichtet". Andere
denken, das Nirwana sei die höchste Realität, ein Zustand der
Transzendenz, der im Volksmunde als eine Art "Paradies" oder "Himmel"
verstanden wird. Diese zwei Deutungen sind beide einseitig und
entsprechen nicht genau dem Nirwana, das Buddha gemeint hat. Er
hat sich darüber allerdings nie mit eindeutigen Begriffen geäussert,
darum ist eine Definition auch so schwer. Ausserdem ist es eine
"Welt" ausserhalb dieser Welt, was eine genaue Festlegung mit
unseren Begriffen und kulturellen Hintergründen erschwert. Die
wichtigste Aussage von Buddha lautet dazu: das Nirwana ist das
Ende des Leids. Sein wichtigstes Bild: das Nirwana ist wie die
ausgelöschte Flamme.
Das Buddhistische Weltbild
"Im buddhistischen Weltbild schweben unendlich viele Weltsysteme
parallel neben- und ineinander. Jedes der Weltsysteme hat eine
Ober-, eine Mittel-, und eine Unterwelt. In der Unterwelt liegen
die Höllen, in denen Übeltäter durch ihre Taten Qualen erleiden.
Darüber befinden sich die Erdscheibe mit dem Berg Meru als Mittelpunkt.
Um den Berg Meru herum kreisen Sonne, Mond und Sterne. Alle diese
Stockwerke gehören zur "Region der Begierde". Über diesen Regionen
befinden sich Regionen der "reinen Formen" und der "Nicht-Formen".
In den Regionen der "Nicht-Formen" leben dort begierdelose Götter.
Mit Ausnahme der oberen Himmel der Götter befinden sich diese
Welten in einem ständigen Wechsel von Werden und Vergehen. Existierenden
Welten werden noch vergehen und in Zukunft werden neue entstehen.
Jede dieser Welten dauert eine Mahakalpa. Nicht nur die Zeit ist
ohne Anfang und Ende, sondern auch bei den Lebeweisen herrscht
ein ständiger Kreislauf, bei dem ihre Existenz ständig verändert
wird. Dieser Kreislauf wird auch Samsara (vorüberfliessen, weiterfahren,
ins Sein kommen) genannt."
Meditation
Was ist Meditation?
Das Wort Meditation kommt vom lat. "medias" (Mitte) oder/und vom
lat. "meditatio" (Nachsinnen, in Gedanken vertieft sein). Unter
Meditation versteht man Techniken, die geeignet sind, einen Bewusstseinszustand
herbeizuführen, der in entscheidenden Punkten vom normalen Tagesbewusstsein
abweicht. Beim Meditieren lenkt man all seine Sinne auf ein bestimmtes
Objekt. Dieses Objekt wird allein in die Mitte der Aufmerksamkeit
gestellt, es erfüllt unser gesamtes Bewusstsein. Bei einer Meditation
konzentriert sich der Meditierende auf einen visuellen, geruchlichen,
akustischen oder gedanklichen Reiz. Man bemüht sich alle anderen
Reize und Gedanken aus seinem Bewusstsein auszuschliessen.
Was bewirkt Meditation?
Der durch Meditation hervorgerufene Zustand lässt sich medizinisch
nachweisen: Bei allen Meditationstechniken erhöht sich die Alphawellenaktivität
beim Menschen signifikant messbar. Alphawellen kommen sonst nur
bei Zuständen mit tiefer Entspannung oder im Bereich zwischen
Wachen und Schlafen zum Tragen. Neben der starken Alphawellenaktivität
kommt es bei der Meditation zu einer starken "Glättung" und Synchronisierung
der anderen ableitbaren Gehirnstromkurven.
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Die Rolle der Meditation im Theravada-Buddhismus
Was: Meditation lässt das Verständnis von der Lehre Buddhas zur
eigenen Erfahrung werden. Im Buddhismus ist sie das praktische
Mittel, um die Natur des Geistes zu erkennen. Während der Meditation
ruht der Geist in sich selbst.
Dieser Zustand wird im Theravada durch das Schaffen von Abstand,
durch Beruhigen und Einsgerichtetheit des Geistes erreicht.
Meditation ist ein aktiver, klarer und bewusster geistiger Vorgang.
Unser Geist ist wie ein wildes Pferd, das zuerst gezähmt werden
muss. Ist der Geist gezähmt, kann er für wichtige Dinge benützt
werden. Eigenschaften wie Erbarmen, Liebe, Weisheit können in
ständig steigendem Masse entwickelt werden. Richtige Meditation
ist die Grundlage richtiges Verhalten.
Ziele/Sinn: Es gibt zwei Ziele, die durch Meditation angestrebt
werden: Die Fehler des Geistes abzuschwächen und sie schlussendlich
ganz zu beseitigen, sowie die positiven Neigungen des Geistes
zu stärken und sie zur Perfektion zu bringen. Meditation fördert
innere Ruhe und Achtsamkeit. Man schafft es zunehmend in schwierigen
Situationen die Geduld zu bewahren und behält in den Hochs und
Tiefs des täglichen Lebens, einen klaren Kopf, man lässt sich
nicht mitreissen oder aus dem Gleichgewicht bringen. Dadurch wird
man offen für andere, und entwickelt ein besseres Gefühl für sich
selbst und den eigenen Wert.
Die spirituellen Ziele der Meditation sind innerer Frieden, ein
Zustand des Erleuchtetseins, Selbsterkenntnis und Weisheit.
Voraussetzung: Damit Meditation gelingen kann, muss die Grundlage
einer reinen Anschauung und eines reinen Verhaltens vorhanden
sein. Um bewusst mit den eigenen Gedanken, Worten und Taten umgehen
zu können, muss man ständig bewusst wahrnehmen, was im Geist "abläuft".
Man braucht genügend "Raum" im Geist, um den Gedanken und Gefühlen
nicht ständig blind und automatisch zu folgen. Dieser Freiraum,
der es uns ermöglicht, stets achtsam und bewusst zu handeln, wird
Geistesruhe genannt.
Der Zustand von Geistesruhe wird im Theravada durch das Schaffen
von Abstand, durch Beruhigen und Einsgerichtetheit des Geistes
erreicht.
Arten von Meditation Es gibt zwei Arten der Meditation: Geistesruhe
(samatha) und Einsicht (vipassanâ).
Bei der Meditation der Geistesruhe werden Techniken benutzt, die
den Geist auf ein einziges Objekt richten, alle zweitrangigen
Objekte ausschalten und Stille und 'Einsgerichtetheit' (des Geistes)
herstellen. Die Meditation der Geistesruhe ist die grundlegende
Art der Meditation.
Beispiele sind Visualisationstechniken und Atembetrachtung. Atembetrachtung:
Die Atem-Meditation ist eine der häufigsten Meditationsarten.
Als Objekt dient der Atem, denn er ist sehr einfach und natürlich
und man kann sich gut darauf konzentrieren. Man versucht seine
gesamte Konzentration auf seine Atmung zu lenken, beispielsweise
zu spüren, wie sich der Atem in der Nase anfühlt oder wie sich
die Bauchdecke hebt und senkt.
Die zweite Meditationsart, die Meditation der Einsicht, enthält
Praktiken, die das Gewahrsein entwickeln. Gewahrsein heisst, die
Aufmerksamkeit scharf auf das bestimmte Objekt der körperlichen
und geistigen Erfahrung zu richten. Man muss sich dessen zu jedem
Augenblick bewusst sein. Die Meditation der Einsicht kann letztendlich
zur Erleuchtung führen.
Die Fähigkeit, in der Meditation sich selbst zu führen, hängt
von der angemessenen Einstellung und dem richtigen Eingestimmtsein
während einer Meditationssitzung ab. Diese Fähigkeit wird unterstützt
durch das Verstehen der beiden Meditationsweisen. Ist man z.B.
während der Meditation der Einsicht überanstrengt oder verspannt,
wird ein Wechsel zur Meditation der Geistesruhe den Geist beruhigen
und entspannen. Verharrt man dagegen in einer flauen Geistesverfassung,
wie es bei der Meditation der Geistesruhe vorkommt, kann man den
Geist mit einer Gewahrseinsübung anspornen und ihm neue, untersuchende
Schärfe verleihen.
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